Häufig gestellte Fragen

Was ist mit Firmen, die nicht im "Schwarzbuch Markenfirmen" stehen?
Wenn wir alle Firmen beschreiben würden, die Dreck am Stecken haben, wäre dieses Buch nie erschienen. Es sind zu viele. Wir haben daher beispielhaft für die wichtigsten Konsumbranchen jene Unternehmen ausgewählt, die über hohe Marktanteile verfügen und bekannte Markennamen tragen. Wenn hier Nike oder Adidas genannt werden, heißt das nicht automatisch, dass Asics, Brooks, Fila, New Balance oder Puma besser wären - sie haben schlichtweg das "Glück", nicht so weit verbreitet zu sein. Was wir über Erdöl-, Lebensmittel-, Elektronik- oder Pharmakonzerne und Banken schreiben, steht beispielhaft für die gesamte Branche. Eine Ausnahme bilden natürlich jene Unternehmen, die entweder nur regional tätig sind und daher westliche Sozial- und Umweltstandards schon von Gesetzes wegen einhalten müssen, oder solche, die sich dezidiert dem ökologischen oder fairen Handel verschrieben haben und diese Prinzipien über den eigenen Profit stellen.

Warum gibt es kein "Weißbuch Markenfirmen"?
Ein solches Buch wird es - von uns - nie geben. Weil es einfach unmöglich ist, weltweit agierende Konzerne mit Tausenden Zulieferbetrieben so umfassend zu kontrollieren, dass man sie "freisprechen" könnte. Außerdem hält jedes multinationale Unternehmen, das seine Profite auf Basis der Einkommensunterschiede zwischen Nord und Süd erwirtschaftet, den Status quo aufrecht, solange es nicht freiwillig existenzsichernde Löhne zahlt und in höhere soziale und ökologische Standards investiert. Bis auf Produkte, die mit dem "TransFair"-Gütesiegel gekennzeichnet sind, ist das fast nirgends der Fall. Natürlich gibt es Hunderttausende Betriebe, die ökologisch und sozial nachhaltig wirtschaften - doch diese Unternehmen erschließen meist nur regionale Märkte. Ein Weißbuch über unseren Lieblingsschuster oder die Fahrradhändlerin ums Eck würde Leserinnen und Leser in Frankfurt, Budapest oder Buenos Aires relativ wenig interessieren.

Wo kann ich mit gutem Gewissen einkaufen?
Es geht gar nicht ums Gewissen. Wir sind in der westlichen Welt von so viel Luxus umgeben, dass wir den Luxus eines guten Gewissens nicht auch noch in Anspruch nehmen müssen. Es geht darum, die Verhältnisse zu ändern. Wir können - und müssen - unsere Macht als Konsumenten und Konsumentinnen, aber vor allem auch als Bürger und Bürgerinnen nützen, um Einfluss zu nehmen. Wie das geht, das lässt sich nicht über einen Kamm scheren. Es hängt von unseren persönlichen Lebensumständen ab, von unseren ökonomischen Verhältnissen, unserem individuellen und beruflichen Einflussbereich, vor allem aber hängt es von unserer Bereitschaft ab, die angeblichen Wahrheiten der Webeindustrie und eines profitgesteuerten Gesellschaftssystems kritisch zu hinterfragen.

Wie habt ihr das alles recherchiert?
Vor allem mithilfe des Internet. Menschenrechtsgruppen, Gewerkschaften, kirchliche Organisationen und kritische Journalisten und Journalistinnen in aller Welt beobachten die Machenschaften skrupelloser Firmen und decken Missstände auf. Wir haben die massivsten Vorwürfe gesammelt, nachrecherchiert und aktualisiert. Die Ergebnisse haben wir nach Konsumfeldern geordnet, an denen wir das System der Missachtung elementarer Rechte im internationalen Handel zeigen: Klaus Werner widmet sich im ersten Kapitel den globalen Zusammenhängen der Ausbeutung durch Konzerne und der Frage, wie wir als Konsumentinnen und Konsumenten aktiv werden können. Anhand der Bereiche Elektronik, Erdöl, Lebensmittel, Bekleidung sowie Banken und Großindustrie zeigt er, welch vielfältige Formen dieses menschenfeindliche Profitdenken annimmt. Am Schluss deckt Werner in einem neuen Kapitel die korrupten Verflechtungen zwischen den Eliten aus Wirtschaft und Politik und das demokratiefeindliche Wirken von Welthandelsorganisation und Konzernlobbys auf. Hans Weiss nimmt als langjähriger Medikamentenexperte die Missstände in der Pharmaindustrie aufs Korn und weist außerdem nach, dass auch Kinderspielzeug oft unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt wird.
In zwei Ländern - in Ungarn und im Kongo - haben wir vor Ort grobe Menschenrechtsverletzungen aufgedeckt, indem wir uns selbst als skrupellose Geschäftemacher ausgegeben haben: Klaus Werner verwandelte sich in einen "virtuellen" Rohstoffhändler, um herauszufinden, welche Rolle der deutsche Bayer-Konzern bei der Finanzierung eines Krieges spielt, der im Herzen Afrikas bereits 3,3 Millionen Menschenleben gekostet hat. Hans Weiss wurde über Nacht zum Pharmamanager und erhielt von Klinikchefs in Budapest die Bestätigung, dass diese gegen hohe Honorare im Auftrag großer Pharmafirmen bereit sind, verbotene Medikamentenversuche an Patienten durchzuführen.

Wurdet ihr von den Konzernen verklagt oder bedroht?
Nein. Von keinem einzigen. Das liegt zum einen daran, dass wir uns bei den Recherchen an belegbare Fakten gehalten haben. Gleichzeitig wissen die großen Konzerne, dass jede Klage oder Bedrohung die geballte Medienaufmerksamkeit auf das betreffende Unternehmen lenken würde. Medien sind an Konflikten interessiert, und genau das wollen die geübten Public-Relations-Abteilungen vermeiden. Und nichts fürchten die Konzerne mehr, als wenn etwa ein kongolesischer Minenarbeiter oder eine indonesische Näherin als Zeugen vor einem deutschen Gericht und in internationalen Medien über ihre Ausbeutung erzählen würden.

Wie haben die Konzerne auf die Vorwürfe reagiert?
Die meisten verweisen auf ihre Verhaltenskodizes, in denen sie sich im Wesentlichen gegen Kinderarbeit und für das Gute in der Welt aussprechen. Oder sie nennen stolz die Summen, die sie für soziale Projekte spenden. Im Vergleich zu dem, was sie durch Ausbeutung erwirtschaften, sind das vernachlässigbare Beträge. Von existenzsichernden Löhnen, Gewerkschaftsfreiheit und unabhängigen Kontrollen wollen sie nichts wissen. Eine kleine Gruppe von Unternehmen hat alle Vorwürfe schlichtweg bestritten. So tischte der Bayer-Konzern Unwahrheiten im Zusammenhang mit seiner Rohstoffausbeutung im kongolesischen Kriegsgebiet auf, die von den Vereinten Nationen wiederholt widerlegt wurden. Shell behauptete, in Angola "nicht aktiv" zu sein - und weist auf der konzerneigenen Homepage auf seine Explorationstätigkeit vor der Küste des Krisenlandes hin. Auch von McDonald's-Managern wurde zunächst bestritten, dass so genannte "Happy Meals"-Figuren in ausbeuterischer Kinderarbeit hergestellt wurden, während die Konzernzentrale die Vorwürfe längst zugegeben hatte. Eine Hand voll Konzerne trat mit uns in Kontakt, um sich über Verbesserungsmöglichkeiten beraten zu lassen. Doch das Interesse sank spürbar, als sie erkannten, dass solche Verbesserungen womöglich auf Kosten der Profite gehen würden.

Ist die Globalisierung per se schlecht?
Auch wenn Medien das "Schwarzbuch Markenfirmen" eine "neue Bibel der Globalisierungsgegner" genannt haben: wir sind weder im Besitz religiöser Wahrheit noch sind wir unbedingt Globalisierungsgegner. Die neoliberale Globalisierung der Konzerne bedeutet grenzenlose Freiheit für Kapitalflüsse - grob gesagt von der südlichen auf die nördliche Erdhalbkugel - und für die Ausbeutung von Rohstoffen und Menschen. Sie schafft aber gleichzeitig immer unüberwindlichere Grenzen gegen Menschen vor allem aus ärmeren Ländern - denken wir nur an die rigiden Einwanderungs- und Asylgesetze der Industrieländer. Wir wünschen uns stattdessen eine andere Globalisierung: Nicht nur globale Sozial-, Umwelt- und Menschenrechtsstandards für multinationale Unternehmen, sondern langfristig eine neue Art globaler Solidarität und den Wegfall von Grenzen, die gegen Menschen und ihre Grundbedürfnisse errichtet werden.

Was kann ich persönlich tun?
Sehr viel. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Bewusst konsumieren, lautstark protestieren - und sich politisch engagieren, am besten gemeinsam mit anderen (Organisationen und Gruppierungen siehe Linkliste). Einige Ideen und Beispiele stellen wir ab Seite 50 im Buch vor, weitere greifen wir dankend auf. Dieses Buch will nicht dem Verzicht auf Lebensqualität das Wort reden. Im Gegenteil: Es soll Ihre Lust wecken, aufmerksam und aktiv zu leben. Denn die Macht der Konzerne ist nur von den Konsumenten und Konsumentinnen geborgt.

Warum veröffentlicht Ihr das Buch nicht gratis im Internet?
Weil wir dann weder einen Verlag gefunden hätten, der das Buch publiziert, noch uns selbst die aufwändige, jahrelange Recherchearbeit leisten hätten können. Erstens müssen die Produktionskosten bezahlt werden, zweitens sehen wir nicht ein, dass ausgerechnet kritische Recherche unterbezahlt bleiben soll, während niemand hinterfragt, wieso gesellschaftsschädliche Arbeit auch noch profitabel ist. Wer für Flugzettel, Aktionen, Projekte etc. kurze Auszüge aus dem Buch verwenden möchte, kann das aber gerne tun, solange der vollständige Buchtitel und im Idealfall auch die Homepage www.markenfirmen.com angegeben wird.