DDP60 28-Aug-01 4:01 Dringend Wirtschaft
Verbraucher/Markenfirmen/Schwarzbuch/
Massive Vorwürfe gegen Bayer AG im "Schwarzbuch Markenfirmen"
Wien/Frankfurt/Main (ddp). Gegen die Bayer AG werden nach der
Affäre um den Cholesterin-Senker Lipobay neue schwere Vorwürfe erhoben.
Die Autoren des am Mittwoch erscheinenden "Schwarzbuchs Markenfirmen"
halten dem Chemie- und Pharmakonzern massive Verstöße gegen die
Menschenrechte vor. Der Leverkusener Konzern importiere Rohstoffe aus
Bürgerkriegsgebieten, finanziere unethische Medikamentenversuche,
behindere Entwicklungsländer bei der Herstellung lebenswichtiger
Medikamente und vertreibe gefährliche Pflanzengifte, schreiben Klaus
Werner und Hans Weiss in ihrem Band über die "Machenschaften der
Weltkonzerne".
Den Recherchen zufolge importiert das Bayer-Tochterunternehmen
H. C.
Starck im niedersächsischen Goslar große Mengen Coltan-Erz aus dem
Bürgerkriegsgebiet im Kongo und gewinnt daraus das Metall Tantal. Der
Weltmarktpreis für diesen begehrten Rohstoff, der in Mobiltelefonen und
Pentiumrechnern verwendet wird, kletterte bis Januar 2001 auf 1.850 Mark
pro Kilo. Dem "Schwarzbuch" zufolge finanzieren die Bürgerkriegsparteien
im Kongo mit dem Erzverkauf ihre blutige Auseinandersetzung, die seit 1998
bereits 2,5 Millionen Menschenleben gefordert habe.
Zudem habe die Bayer AG in den 90er Jahren unethische
Medikamententests finanziell unterstützt, heißt es im "Schwarzbuch".
So
hätten bei zwei Studien in Europa und China Bluthochdruck-Patienten teils
Scheinmedikamente (Placebos) und teils den Wirkstoff Nitrendepin
(enthalten im Bayer-Medikament Bayotensin) erhalten. Die beteiligten
Pharmafirmen und Ärzte hätten dabei "bewusst in Kauf genommen",
dass
zahlreiche Patienten Schlaganfälle oder Herzinfarkte erlitten.
gei/hoe
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DDP61 28-Aug-01 4:10 Dringend Wirtschaft
Verbraucher/Markenfirmen/Schwarzbuch/FEA/
Schmutzige Geschäfte für saubere Bilanzen - "Schwarzbuch Markenfirmen"
beschuldigt Weltkonzerne der Menschenrechtsverletzung
--Von ddp-Korrespondent Ralf Geißler--
Wien/Frankfurt/Main (ddp). Dem schwer angeschlagenen Bayer-Konzern
dürfte die Nachricht gar nicht gefallen: Im "Schwarzbuch Markenfirmen",
das am Mittwoch in die Buchläden kommt, erheben die Autoren schwere
Vorwürfe gegen den Leverkusener Chemie- und Pharmariesen, der bereits mit
seinem Cholesterin-Präparat Lipobay Negativ-Schlagzeilen macht. Die Bayer
AG führe zusammen mit dem französischen Mineralölkonzern TotalFinaElf
und
der amerikanischen Hamburger-Kette McDonald's die "Hitliste der Bösen"
an,
schreiben Klaus Werner und Hans Weiss in ihrem Enthüllungsband über
die
"Machenschaften der Weltkonzerne".
Die Liste der Verfehlungen, die der Bayer AG vorgehalten wird,
ist
lang: Der Konzern importiere Rohstoffe aus Bürgerkriegsgebieten,
finanziere unethische Medikamentenversuche, behindere Entwicklungsländer
bei der Herstellung und Vermarktung lebenswichtiger Medikamente - etwa
gegen Aids - und vertreibe gefährliche Pflanzengifte, behaupten Werner
und
Weiss. Sie stützen sich dabei auf Angaben von Umwelt- und
Menschenrechtsorganisationen sowie auf eigene Recherchen.
So reiste Klaus Werner in das Bürgerkriegsgebiet im Osten
Kongos,
wo Coltan-Erz abgebaut wird. Nach seinen Recherchen wird ein großer Teil
dieses Erzes an das Bayer-Tochterunternehmen H. C. Starck im
niedersächsischen Goslar geliefert, das daraus das Metall Tantal gewinnt.
Wegen seiner hohen Dichte wird Tantal in Mobiltelefonen und
Pentiumrechnern verwendet. Der Weltmarktpreis für den begehrten Rohstoff
kletterte bis Januar 2001 auf 1.850 Mark pro Kilo. Werners Bericht zufolge
finanzieren die Bürgerkriegsparteien im Kongo mit dem Erzverkauf ihre
blutige Auseinandersetzung, die seit 1998 bereits 2,5 Millionen
Menschenleben gefordert haben soll.
Der Enthüllungsjournalist beruft sich bei seinen Anschuldigungen
unter anderem auf Aussagen des Nürnberger Coltan-Importeurs Karl-Heinz
Albers. Nach dessen Angaben werden aus den kongolesischen Minen pro Monat
etwa 200 Tonnen Coltan-Erz exportiert. Davon schlage seine Firma Masingiro
100 bis 150 Tonnen Konzentrat um. Den "Großteil" liefere er
an H. C.
Starck, sagte Albers dem Buchautor am Telefon.
Der Sprecher der Bayer-Tochter, Manfred Bütefisch, wollte
Werner
"keine Auskunft" geben, woher das in Goslar verarbeitete Coltan stamme.
Das seien "interne Daten". H. C. Starck (Jahresumsatz: 1,3 Milliarden
Mark) verarbeitet Brancheninsidern zufolge weltweit mehr als die Hälfte
des edlen Metalls und liefert es weiter an die Elektronikindustrie. Ein
wichtiger Abnehmer des Tantalpulvers aus Goslar ist laut "Schwarzbuch"
die
Siemens-Tochter Epcos. Andere Elektronik-Konzerne wie Nokia, Siemens,
Ericsson und Motorola hätten sich auf Anfrage "zugeknöpft"
gegeben.
Mitautor Hans Weiss, bekannt durch den Bestseller "Bittere
Pillen -
Nutzen und Risiken von Arzneimitteln", nimmt die Machenschaften großer
Pharma-Konzerne unter die Lupe. Er tarnte sich als "Pharma-Consultant"
und
erlebte, dass ungarische Klinik-Direktoren ohne Weiteres bereit waren,
ihre Patienten gegen harte D-Mark als "menschliche Versuchskaninchen"
zur
Verfügung zu stellen. Derartige unethische Tests seien in den 90er Jahren
auch von der Bayer AG finanziell unterstützt worden, schreibt Weiss. So
hätten bei zwei Studien in Europa und China Bluthochdruck-Patienten teils
Scheinmedikamente (Placebos) und teils den Wirkstoff Nitrendepin
(enthalten im Bayer-Medikament Bayotensin) erhalten. Die beteiligten
Pharmafirmen und Ärzte hätten dabei "bewusst in Kauf genommen",
dass
zahlreiche Patienten Schlaganfälle oder Herzinfarkte erlitten.
Insgesamt werden im "Schwarzbuch" 50 Markenfirmen
von A wie Adidas
bis W wie Wal-Mart wegen Menschenrechtsverletzungen oder Schädigung der
Umwelt angeprangert. So verteile McDonald's mit seinen "Happy Meals"
kleine Spielzeugfiguren, die von asiatischen Kindern für einen Hungerlohn
hergestellt würden. Der DaimlerChrysler AG werfen die Autoren Handel mit
Atomwaffen und Antipersonenminen vor, der Schuhhersteller Deichmann
("Markenschuhe so günstig") setze indische Gerbereiarbeiter hohen
Gesundheitsgefahren aus.
"Dieses Buch ist nicht dazu da, Ihnen den Spaß am
Konsum zu
verderben", schreiben die Autoren im Vorwort. Es solle "Lust wecken,
als
Konsument aufmerksam und vielleicht sogar aktiv zu werden". Werner und
Weiss rufen nicht zu Produkt-Boykotten wie gegen den Öl-Konzern Shell im
Jahr 1995 auf, "da Boykotte oft nur Arbeitsplätze gefährden,
ohne etwas an
der Misere zu ändern". Sie empfehlen Protestschreiben an die
Firmenvorstände und verweisen auf die Internet-Seiten konzernkritischer
Organisationen. Eines wollen die Autoren auf jeden Fall erreichen: "Dieses
Buch wird Sie wütend machen."
gei/hoe
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Verbraucher/Markenfirmen/Schwarzbuch/
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Bayer AG weist Vorwürfe im «Schwarzbuch Markenfirmen» zurück=
Leverkusen (ddp). Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer AG weist
den
in einer Buchveröffentlichung erhobenen Vorwurf von
Menschenrechtsverstößen als «absurd» zurück. Bayer
gehöre vielmehr zu
den weltweit aktiven Unternehmen, wenn es darum gehe, solchen
Missständen zu begegnen, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag
in Leverkusen auf ddp-Anfrage. Er reagierte damit auf Anschuldigungen
in dem am Mittwoch erscheinenden «Schwarzbuch Markenfirmen». Darin
werfen die Autoren Klaus Werner und Hans Weiss dem Leverkusener
Konzern vor, er importiere Rohstoffe aus Bürgerkriegsgebieten,
finanziere unethische Medikamentenversuche, behindere
Entwicklungsländer bei der Herstellung lebenswichtiger Medikamente
und vertreibe gefährliche Pflanzengifte.
Nach den Worten des Firmensprechers ist beispielsweise die
Behauptung im «Schwarzbuch» falsch, die Bayer-Tochter H. C. Starck
im
niedersächsischen Goslar beziehe illegal abgebaute Tantal-Rohstoffe
aus dem Bürgerkriegsgebiet im Osten des Kongo. Anscheinend
verwechselten die Autoren Informationen, die sie Anfang des Jahres
vom deutschen Rohstoff-Importeur Karl-Heinz Albers erhalten haben
wollen. Bei den von Albers genannten Mengen importierter Rohstoffe
handle es sich gar nicht - wie von Werner dargestellt - um
Tantalmaterialien, sondern um Pyrochlor. Diesen niobhaltigen Rohstoff
habe H. C. Starck jedoch seit Jahrzehnten nicht mehr eingesetzt.
Das Goslarer Unternehmen erwerbe Tantal-Rohstoffe aus
Zentralafrika «ausschließlich aus legalen Abbaugebieten»,
betonte der
Bayer-Sprecher. Mit dem Erwerb dieses Materials werde die dortige
Bevölkerung unterstützt. Das Geschäft trage dazu bei, dass seit
vielen Jahren Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur
durchgeführt werden könnten.
Auch die Behauptung im «Schwarzbuch», Bayer finanziere
unethische
Medikamentenversuche mit, wies der Sprecher zurück. Zwar habe es die
erwähnten Studien in Europa und China über das Blutdruck senkende
Mittel Nitrendipin (Bayotensin) gegeben. Die Tests, bei denen auch
Scheinmedikamente (Placebos) zum Einsatz kamen, seien jedoch von
unabhängigen Studienkomitees initiiert, durchgeführt, überwacht
und
ausgewertet worden. Derartige placebo-kontrollierte Untersuchungen
seien «Standardinstrumente der Forschung», um das
Risiko-Nutzen-Verhältnis von Medikamenten wissenschaftlich zu
überprüfen.
gei/hoe
<ETX>
281752 Aug 01