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Globalisierung: "Es geht gar nicht ums Gewissen"

Das "Schwarzbuch Markenfirmen" erscheint in der zweiten Auflage -
erweitert und auf den neuesten Stand gebracht.

VON MICHAEL LOHMEYER

WIEN. "Dieses Buch wird sie wütend machen" versprechen Klaus Werner und Hans Weiss, Autoren des "Schwarzbuchs Markenfirmen: Die Machenschaften
der Weltkonzerne", erschienen im Verlag Deuticke, Wien. Von der ersten Auflage sind etwa 100.000 Exemplare verkauft worden, nach zwei Jahren
erscheint nun der erste Aufguss der deutschsprachigen Ausgabe - aktualisiert, um 50 Seiten erweitert und mit zwei neuen Kapiteln. An diesem Wochenende kommt das Buch, am Rande des WTO-Treffens in Cancún, auch in spanischer Übersetzung heraus.

Nach Erscheinen des Buches 1999 hat Wut die Chefetagen der beschriebenen - und etwa wegen Kinderarbeit, Missachtung von Sozialstandards heftig
kritisierten - Konzerne ergriffen, sie ging aber nicht so weit, dass sie zu Gericht gegangen sind. In keinem einzigen Fall haben Behauptungen in dem Buch zurückgezogen werden müssen.

In der Neuauflage sind nicht nur Zahlen und Fakten aktualisiert, es gibt vor allem auch zwei neue Kapitel: eines über Korruption und Lobbying, das andere ("Es geht auch anders") über die Macht der Konsumenten. Sie werden nicht zum Konsumverzicht aufgerufen, sondern dazu, beim Einkauf mehr oder weniger lästig zu sein. Informationen darüber, unter welchen Bedingungen (für die Angestellten) die Produkte hergestellt werden und welche Auswirkungen dies auf die Umwelt hat.

Dazu heißt es im Buch: "Es geht gar nicht ums Gewissen. Wir sind in der westlichen Welt von so viel Luxus umgeben, dass wir den Luxus eines guten Gewissens nicht auch noch in Anspruch nehmen müssen. Es geht darum, die Verhältnisse zu ändern. Wir können - und müssen - unsere Macht als Konsumenten . . . und Bürger nützen, um Einfluss zu nehmen." Dieses Kapitel wird abgerundet durch eine Linksammlung, die auf www.markenfirmen.com ständig up to date gehalten wird.

Sind Produkte von Firmen, die im Schwarzbuch nicht erwähnt werden, völlig unbedenklich und bekommen einen Persilschein ausgestellt? Dazu das Vorwort: "Wenn wir alle Firmen beschreiben würden, die Dreck am Stecken habe, wäre dieses Buch nie erschienen. Es sind zu viele. Wir haben daher beispielhaft für die wichtigsten Konsumbranchen jene Unternehmen ausgewählt, die über hohe Marktanteile verfügen und bekannte Markennamen tragen."

© Die Presse | Wien, 15.9.2003

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