Wien - Die drei reichsten Menschen der Welt haben mehr Geld, als die 48 ärmsten Länder zusammen, errechnete die UN-Entwicklungshilfe. "Die großen Markenfirmen nutzen diese Situation der Billiglohnländer schamlos aus und verlegen ihre Produktion dorthin", erklärte Klaus Werner am Dienstagabend bei der Diskussion "Schwarze Schafe oder Fehler im System?" in Wien. Er hat die Machenschaften der 50 "bösesten Weltkonzerne" recherchiert und in dem "Schwarzbuch Markenfirmen" festgehalten.
Am Welternährungstag diskutierten darüber Eva Glawischnig von den Grünen, Hannes Spitalsky, Geschäftsführer vom Verein für Konsumenteninfo, Reinhold Mitterlehner von der Wirtschaftskammer, Beatrice Achaleke von der Clean-Clothes-Kampagne und der Österreich-Chef von McDonald's, Harald Sükar. Er sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, McDonald's würde Kinder unter katastrophalen Bedingungen beschäftigen.
"Wir tolerieren keine Kinderarbeit", sagte Sükar. McDonald's Österreich würde dem Leitmotiv, weltweit der beste Arbeitgeber zu sein, gerecht werden. "Denn wir geben diesen Ländern eine Zukunft." "Eine fragwürdige Zukunft, in der Menschenrechte ignoriert und Lebensräume zerstört werden", konterte Werner. Die Konzerne sollten mit ihrer Macht besser menschenwürdige Arbeitsbedingungen schaffen. Mitterlehner meinte so wie Sükar, dass es nicht Aufgabe eines wirtschaftlichen Betriebs sei, Politik zu machen. "Außerdem ist die Meinung der Betroffenen eine andere als die der Urteilenden", so Mitterlehner.
Mittlerweile würden viele Konsumenten auf ethische Mindeststandards der Firmen setzen, meinte Werner. "Doch es ist nicht fair, dass der Konsument als Idiot dasteht, wenn er politisch korrekt einkaufen will, die Waren aber nicht gekennzeichnet sind", so Glawischnig. Es sei Sache der Politik, "saubere Produkte" auszuweisen. "Österreich ist keine Insel der Seligen." Dennoch: Die Konsumenten könnten durch ihr Kaufverhalten die Wirtschaftlichkeit der Großkonzerne beeinflussen. "Denn das Ziel jedes wirtschaftlichen Handelns muss soziale Gerechtigkeit sein", so Werner. (rebe)