Isabella Hager
Herstellungstechnisch gibt es nur wenige Unterschiede zwischen "made in Taiwan" oder "made in China". Hinter glänzenden Markenartikeln steckt nicht selten die unterbezahlte Arbeit von Frauen und Kindern in Entwicklungsländern.
Etwa 240 Millionen Kinder unter 15 Jahren müssen weltweit arbeiten, 186 Millionen davon werden ausgebeutet, so die Zahlen aus dem Bericht "Jedes Kind zählt" (2002) der International Labour Organisation. Betroffen ist somit jedes dritte Kind in Afrika, jedes fünfte in Asien und jedes sechste in Lateinamerika.
"Kinderarbeit ist eine Folge von Erwachsenenausbeutung" meint Klaus Werner, Autor des "Schwarzbuch Markenfirmen" im Gespräch mit dem SCHÜLERSTANDARD. "Wenn Eltern kein Geld haben, um ihre Kinder in die Schule zu schicken oder überhaupt zu ernähren, müssen diese selber arbeiten." Das entwicklungspolitische Kinderhilfswerk "terre des hommes" geht hingegen davon aus, dass Armut nicht allein Ursache von Kinderarbeit ist. Vielmehr würde umgekehrt Kinderarbeit Armut verursachen. Kinder seien billigere Arbeitskräfte und ließen in vielen Regionen Erwachsene arbeitslos.
Gearbeitet wird in Hinterhöfen oder dicht gedrängt in kleinen dunklen Räumen, voll mit Webstühlen. Löhne sind minimal oder im Falle einer Schuldknechtschaft, die aufgrund der viel zu hohen Zinsen oft nicht abarbeitbar ist, gar nicht vorhanden. Die Betätigungsfelder reichen von der Arbeit in Steinbrüchen über den gesamten Textilbereich bis hin zur Teppich- oder Fußballproduktion.
Eine lange Liste von Firmen, deren Produkte teilweise durch Kinderarbeit hergestellt werden, gibt das "Schwarzbuch Markenfirmen" und dessen Fortsetzung, das "Neue Schwarzbuch Markenfirmen", preis. Der Autor empfiehlt, "bewusst zu konsumieren." Man solle das kaufen, was man braucht, und nicht auf Werbeslogans hereinfallen.
H&M, C&A, Adidas und Nike sind nur eine Auswahl der besagten Firmen. 0,4 Prozent des Verkaufspreises eines Sportschuhs geht in die Arbeiterlöhne. Würden knappe 40 Cent zusätzlich direkt an die Arbeiter gehen, würde das "für den Käufer nichts ausmachen, den Arbeitern aber sehr viel helfen" sagt Stefan Kerl von Clean Clothes Österreich.
Helfen kann man schon durch Aktionen wie Protestbriefe an die Unternehmer. "Wenn es einen Trend gibt, dass man faire Kleidung haben will, wird von den Unternehmen auch etwas dafür getan", weiß Werner, der auf der Homepage seines "Schwarzbuchs" die Möglichkeit, Protestmails zu schicken, anbietet. Dem stimmt Kerl zu: "Bei Nike etwa haben die Protestbriefe schon genützt." Ein Verhaltenskodex wurde unterschrieben, und interne Kontrollen in der Herstellung werden durchgeführt. "Das ist natürlich noch lange nicht perfekt", meint Kerl. Jetzt gelte es, sich für unabhängige Kontrollen und Gewerkschaftsrechte einzusetzen. Auch bei H&M seien deutliche Verbesserungen eingetreten. Ganz sicher kann man dennoch nicht sein. Wer 100-prozentig faire Waren will, muss sich an Dritte-Welt-Läden oder Pilotversuche wie den deutschen Textilversand "Hess Natur" halten. Der Wunsch nach fairen Produkten sei aber da, laut Kerl sogar im Anstieg (s. Grafik li.). Als Vorreiter gelten Bananen und Kaffee mit Fair-Trade-Siegel. "Bei der Bekleidung ist das noch am Anfang. Aber zumindest gibt es eine Bereitschaft vom Konsumenten."