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Öl im Feuer des Krieges

Mehrere Petro-Firmen spielen in Sudan eine düstere Rolle

Von Jonas Rest

Es gibt Erdöl, Gold, Platin, Kupfer und Uran. Die Menschen in Sudan könnten reich sein. Hier existieren nicht nur große Mineralvorkommen, sondern es gibt auch Wasserfälle, Korallenriffe, antike Tempel, Pyramiden und Moscheen. Trotz alldem ist Sudan kein Urlaubsland. Grund dafür ist der inzwischen seit einem halben Jahrhundert andauernde Krieg.

Der grausame Bürgerkrieg begann kurz bevor die britischen und ägyptischen Besatzungstruppen das Land verließen und Sudan unabhängig wurde und dauert mit Ausnahme einer kurzen Friedenspause zwischen 1972 und 1983 bis heute an. In diesem Krieg kämpfen die Streitkräfte des islamistischen Militärregimes in Khartum gegen die größte Oppositionsgruppe, die Sudanesische Volksbefreiungsarmee SPLA im Süden. Dort lebt, im Gegensatz zu dem von der Regierung kontrollierten Gebiet, eine teilweise christliche, schwarzafrikanische Bevölkerung.

Auf der Seite der Regierung kämpfen radikalislamische Mudschaheddin, die als Volksverteidigungskräfte PDF organisiert einen "heiligen Krieg" ausfechten. Weitere Milizen bekriegen sich untereinander, kämpfen, je nach Erfolgsaussicht, mal auf Regierungs-, mal auf Oppositionsseite. Die Folgen des Krieges für die Bevölkerung sind erschütternd: Mehrere Millionen Menschen verhungerten oder wurden getötet, andere vertrieben, ganze Dörfer sind verbrannt. Es gibt Berichte über Vergewaltigungen und Misshandlungen. Als Ursache des Krieges gilt die politische, wirtschaftliche und soziale Benachteiligung des Südens und in den letzten Jahren vor allem das Rohöl. Schätzungsweise über drei Milliarden Barrel davon bergen die riesigen Ölfelder in Südsudan. Seit August 1999 wird dieses Öl gefördert. Von den Ölexporten profitiert die Militärregierung, die die Ölfelder kontrolliert. Das Geld aus den Ölgeschäften fließt zu einem Großteil in den Verteidigungsetat. Laut IWF hat sich der Militärhaushalt in Sudan von 1998 bis 2000 mehr als verdoppelt. Auch die Bundesregierung bestätigte vor einigen Monaten, dass den Einnahmen aus der Erdölförderung steigende Militärausgaben gegenüberstehen.

Die Hilfsorganisation Christian Aid, die im März dieses Jahres einen umfangreichen Bericht über den "Krieg um Öl" veröffentlichte, wirft dem Regime von Präsident Omar Hassan al-Baschir vor, eine Politik der "verbrannten Erde" zu betreiben. Die Einwohner seien systematisch aus den Gebieten vertrieben worden, Ernten würden verbrannt, um eine Rückkehr der Flüchtlinge zu verhindern. Amnesty International beziffert die Zahl der Vertriebenen auf über vier Millionen.

Der Aufforderung von Christian Aid an die Ölfirmen, ihre Operationen in Sudan sofort einzustellen, schloss sich Ende Mai ein breites Bündnis europäischer Organisationen an. Die europäischen Regierungen sollten "gegen jegliche Investition in das sudanesische Ölgeschäft" eintreten, hieß es. Zu den Bündnispartnern zählen auch die deutschen Organisationen Misereor, Pax Christi, Brot für die Welt, Gesellschaft für bedrohte Völker und Caritas Deutschland. Auch der UN-Sonderberichterstatter für Sudan, der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum, erklärte am 10. Oktober, dass die Öl-Exploitation zu einer "Verschlimmerung des Konfliktes geführt habe, der auch zu einem Krieg um Öl geworden sei".

Die in Sudan beteiligten Ölfirmen, unter ihnen CNPC (China), Petronal (Malaysia), Talisman Energy (Kanada), Lundin Oil (Schweden), TotalFinaElf (Frankreich) und OMV (Österreich), sind sich jedoch keiner Schuld bewusst. Im Gegenteil, gerade durch ihre Aktivitäten in Sudan werde die humanitäre Situation der Bevölkerung verbessert. So baue Talisman ein Krankenhaus in Heglig, und OMV, an der der Staat Österreich mit 25 Prozent beteiligt ist, unterstütze Projekte für Straßenkinder und Prothesen in Khartum.

"Solche Maßnahmen sind im Vergleich zu den Zerstörungen und Menschenrechtsverletzungen, denen sich die Erdölfirmen in Sudan mitschuldig machen, ein Tropfen auf den heißen Stein und dienen wohl mehr der Beruhigung der öffentlichen Meinung", kommentiert Klaus Werner, Mitautor des Schwarzbuches Markenfirmen (Deuticke, www.markenfirmen.com).

Der US-Akademiker Eric Reeves, der zurzeit ein Buch über Sudan verfasst, wird noch deutlicher: "Es gibt absolut keinen Beweis, dass die Präsenz von westlichen Ölfirmen die Menschenrechtssituation in Sudan verbessert hat." Am 8. November reichte die Sudanesische Presbyterianische Kirche in New York Klage gegen den kanadischen Ölkonzern Talisman Energy ein. Vorwurf: Talisman, die erst kürzlich den OMV-Partner Lundin Oil übernahm, unterstütze die Regierung bei "den brutalen Vertreibungen der Zivilbevölkerung". Vertreten wird die Anklage von den Staranwälten Carey D'Avino und Stephen A. Whinston. Die beiden Anwälte waren bereits an den Prozessen gegen im Holocaust involvierte Firmen beteiligt. Talisman streitet alle Vorwürfe ab.

Die österreichische OMV, die mit einem Anteil von etwa 25 Prozent an der Ausbeutung der insgesamt 45119 Quadratkilometer großen Blöcke 5a und 5b in Südsudan beteiligt ist, hält ihre Beteiligung an der Exploration für "ethisch vertretbar". Ein Rückzug aus Sudan bedeute, "das Ölgeschäft Firmen zu überlassen, deren Interesse an Menschenrechten nicht gerade ausgeprägt ist". Andrea Hof von OMV weiter: "Auch mit Amnesty International hat OMV sehr konstruktive Gespräche geführt." Sie verträten, wie andere NGOs auch, die Ansicht, dass ein Rückzug westlicher Firmen aus Sudan "kontraproduktiv" wäre. Eine Aussage, die Amnesty International jedoch abstreitet: "Es hat keine Besprechungen zwischen OMV und Amnesty International gegeben, und wir haben zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass wir OMV als einen Partner betrachten, der sich für unsere Vorstellungen einsetzt." "Ein Missverständnis", räumt OMV-Pressereferent Huemer später ein.

Seit dem 17. Juni werden die Ölfirmen noch von einer ganz anderen Seite unter Druck gesetzt: Das US-Repräsentantenhaus stimmte mit 422:2 Stimmen für den "Sudan Peace Act". Teil des Gesetzes ist die Verbannung der in Sudan aktiven Ölkonzerne vom New York Stock Exchange und Nasdaq. "Das Öl ist Blutöl, das die Kriegsmaschine der Regierung unterstützt", sagte damals Donald M. Payne von den Demokraten. "Schändlich", nannte es der Abgeordnete Tom Lantos, dass ausländische Firmen mit US-Geldern den "Völkermord" unterstützen. US-Unternehmen ist eine Betätigung in Sudan verboten.

Seit den Ereignissen vom 11. September hat US-Präsident George W. Bush den Gesetzentwurf jedoch erst einmal auf Eis gelegt. Das Land, dem die USA noch im vergangenen Jahr vorwarfen, den bis 1996 in Sudan lebenden Osama bin Laden weiterhin zu unterstützen, gehört mittlerweile zur so genannten Anti-Terror-Allianz.

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Copyright © Frankfurter Rundschau 2002
Dokument erstellt am 07.01.2002 um 21:29:22 Uhr
Erscheinungsdatum 08.01.2002

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